Über mich



 

Hi, ich bin Jessi! 


Ich habe 2020 meinen Bachelor im Fach Bildungswissenschaft mit den Schwerpunkten Wissensmanagement und Organisationsentwicklung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg absolviert. 

Seit Juni 2020 arbeite ich in Hamburg in einer Kita als Erzieherin. 

Neben dem Studium habe ich mir Stück für Stück meine freiberufliche Tätigkeit als Kinderreitlehrerin aufgebaut. 


 


 Reiterliche Ausbildung

 

Wer reiten lehrt, sollte auch reiten können. Nach Meinung des Internets und darin herumoxidierenden Pferdekennern und -Nichtkennern sollte sich der Trainer am besten auf S-Niveau mit drölfhundertjahrelanger Erfahrung bewegen. Ich kann es nicht. Also reiten schon, aber nicht auf S-Niveau. Das ist ein Ziel, welches noch auf der Zu-verwirklichen-Liste steht, aber in Ermangelung finanzieller Mittel noch nicht realisierbar ist.

 

Ich gebe trotzdem Reitunterricht für Reitanfänger und das mit gutem Gewissen. Ich bin selbst so viele Holz- und Umwege gegangen, dass ich sehr genau weiß, was funktioniert, was nicht funktioniert und was nicht funktionieren kann, weil mir das Wissen fehlt.

Ich habe mich in meinem achten Lebensjahr mit dem Pferdevirus infiziert und bin seit dem unheilbar daran erkrankt. Seit jeher fand ich ausreiten langweilig und wechselte mehrmals den Stall, weil ich nicht "genug lernte". Meinen Eltern war meine reiterliche Ausbildung ziemlich egal, hauptsache das Kind ist zufrieden. Als ich 15 war hatten sie die Nase voll, mich ständig durch die Gegend zu tingeln und tauschten mir ein Pferd gegen zwei ihrer Kühe ein. Dieser mittelalterliche Tausch hatte zur Folge, dass ich einen liebenswerten Wallach ohne Grundausbildung erhielt. 15 Jahre, keine nenenswerte Reiterfahrung und ein Pferd, das nichts kann. Kann das gut gehen?

 

Ich würde sagen, wir haben das Ziel noch nicht erreicht, aber bislang sind wir unseren ganz eigenen Weg gegangen. Ich merkte schnell, dass ich ohne fremde Hilfe nicht weiter kam und nahm Unterricht, soweit es meine finanziellen Mittel zuließen. Wir nahmen jeden Lehrgang mit, den wir nur bekommen konnten und fuhren auf so ziemlich jedes lokale Breitensportturnier der Gegend, auf dem wir in der Klasse A siegreich unterwegs waren. Ich wünschte mir so sehr, mehr zu lernen, aber irgendetwas hielt uns immer davon ab: ein unpassender Sattel, eine OP, kein Trainer, kein Geld, Studium, kein Geld für den Trainer, krankes Pferd, kein Geld, immer noch kein Trainer und noch weniger Geld, finanzielle Abhängigkeit und ach ja, kein Geld. Rückblickend spürte ich sehr deutlich, dass richtig Reiten mit Turnieren und Leistungssteigerungen nur mit dem nötigen Geld und mit einer konsequenten Ausbildung möglich waren.

 

Mein Pferd ist inzwischen 18 Jahre und wir haben uns den Traum von der Trabtraversale immer noch nicht erfüllt. Durch meine autodidaktisch-finanziell-bedingten Holz- und Umwege haben wir von korrekten Schenkel- und Gewichtshilfen über Dehnungshaltung, Fehlhaltung und Aufrichtung bis hin zu emotionsfreier Belohnung und Bestrafung so ziemlich alles durchgekaut. Erst jetzt, mit dem Eintritt ins Berufsleben sind mir mehr Investitionen möglich, die mir, meinem Pferd und meiner reiterlichen Fähigkeit zugute kommen. Erst jetzt ist es mir möglich, regelmäßigen Unterricht zu nehmen, mir all die Bücher zu kaufen und zu lesen, die ich für korrekte Dressurreiterei benötige und erst jetzt kann ich meinem Pferd all das ermöglichen, was er für sein Sportpferdedasein viel früher nötig gehabt hätte. 

 

Und dennoch:

 

Ich nehme mir nicht trotz, sondern wegen meiner reiterlichen Geschichte und den Erfahrungen heraus, kleinen Reitanfängern den Einstieg in den Reitsport durch meinen Unterricht zu ermöglichen. Sie sollen nicht wie meine Wenigkeit in Ermangelung eines guten Trainers oder guten Trainings mit ihren oder fremden Pferden falschen Reittechniken und Vorgehensweisen nachjagen, um dann festzustellen, dass ihr Freizeitpartner jetzt kaputt ist oder ihnen die ganze Reiterei keinen Spaß mehr macht (weil zu gefährlich wegen keine Ahnung und so).

Ich gebe mit meinem Unterricht kleinen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, auf faire und fähige Weise das Reiten zu lernen, um ohne Um- oder Holzwege mit dem Partner Pferd ans Ziel zu kommen. Um so einen Reitunterricht geben zu können, benötigt es keine Goldene Reiternadel oder hundertjahrelange Reiterfahrung.

 

Natürlich kann ich alle drei Grundgangarten reiten und mein Pferd vorwärts, seitwärts und rückwärts richten, auch ein Sprung und ein flotter Galopp über mehrere Kilometer sind kein Problem. Neben einer guten, reiterliche Grundausbildung kommt es beim Unterrichten aber auch auf Empathie, Selbstreflexion, und Selbstbeherrschung an, für die es keine jahrelange Ausbildung am Institut XY benötigt. Dazu braucht es vor allem die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und zur Persönlichkeitsentwicklung; und jetzt ließ bitte noch einmal kurz, was ich studiert habe...

 

 

 

Ausblick 

 

 

Auf lange Sicht strebe ich selbstverständlich die Ausbildung zum Trainer C Breitensport an. Wenn gerade kein Virus die Welt in Atem hält, nehme ich selbst regelmäßig Unterricht.