Das erste Kennenlernen

Wie sich Pony und Kind näher kommen


Die erste Begegnung darf partnerschaftlich verlaufen!
Die erste Begegnung darf partnerschaftlich verlaufen!

 

Das ist fast immer das Spannendste! Sowohl für uns als Reitlehrer, der ja das Kind auch kennen lernen muss, aber auch zwischen Kind und Pony! 

 

In diesem Artikel erfährst du,

  • wie ich das erste Kennenlernen zwischen Reitschüler und Pony gestalte und
  • wie die Vorbereitungen zur Reitstunde aussehen können.

 

Das Pony abholen 

 

Meine Reitstunden verlaufen alle Einzeln. Solange die Kinder (und Erwachsenen) noch nicht eigenständig reiten können, machen Doppelreitstunden keinen Sinn. Ich hab das mal probiert, aber dieser Stress ist es einfach nicht Wert - für alle Beteiligten!

Ich frag das Kind immer noch einmal, welche Erfahrungen es schon mit Pferden gemacht hat. Auch, wenn du von der Mama bereits detaillierte Infos bekommen hast, kommst du so mit dem Kind gleich ins Gespräch.

Ich geh mit dem Kind zusammen auf die Koppel und stelle sicher, dass es sich pferdegerecht dem Lebewesen nähert. Es sollte das Pferd an seiner Hand schnuppern lassen, es kurz streicheln und dann erst das Halfter anlegen. Falls das noch nicht funktioniert, übernehme ich das fürs Erste und helfe ihm später beim Putzplatz erneut dabei.

Ich erkläre dem Kind von Anfang an, wie es das Pony zu führen hat. Es soll auf Kopfhöhe des Pferdes laufen, Kommandos zum Loslaufen geben (die musst man ihm vorher aber erklären; Halt und Komm ist für manche Kinder schon eine große Herausforderung!). Ich erwähne am meist jetzt schon, dass das Pony immer erst die Anweisung benötigt, bevor es das machen kann, was es soll. Das prägt auch für den weiteren Verlauf des Erlernens der Reiterhilfen. Ich achte immer ganz penibel darauf, dass die Kinder partnerschaftlich mit dem Pferd umgehen und ihrem neuen Freund sagen, wenn etwas Neues passiert. Beim Führen zum Putzplatz laufe ich immer an der anderen Kopfseite mit, damit ich im Ernstfall eingreifen kann. Je länger der Weg von der Koppel zum Putzplatz, desto mehr Möglichkeiten bieten sich, das korrekte Führen zu üben. Ich achte auf jeden Fall darauf, dass ich bei den ersten 100 Malen dabei bin und vorausschauende Anweisungen gebe.

 

 

Putzen & Co.

 

Am Putzplatz zeige ich, je nach Alter des Kindes, wie der Pferdeknoten funktioniert. Sie müssen ihn aber noch nicht alleine können (meist sind sie nämlich geistig erst einmal ganz schön fertig; immerhin haben sie ein Pferd von der Koppel geführt!).

Das Putzen an sich verläuft wie jedes Putzen. Begleitend zu den einzelnen Utensilien erwähne ich die korrekte Bezeichnung und erklärse kurz, wozu das gut ist. Manche Kinder lieben es, ihr Pferd ausgiebig zu putzen, manche kommen gar nicht schnell genug rauf. In jedem Fall gilt: das Pony sollte überall einmal mit dem Striegel bearbeitet worden sein und saubere Hufen besitzen!

In den ersten Reitstunden übernehme ich das Satteln und Trensen. Das Kind kann ja erst einmal zusehen. Nebenbei bitte ich es, mir die entsprechenden Utensilien zu reichen; da lernt es gleich die Fachbegriffe. Einfache Schnallen und Riemen überlasse ich meinem Schützling. Er ist sehr stolz , wenn er selbst den Kehlriemen und die Gamaschen verschlossen hat! Mit Fortschreiten der Reitstunden ziehe ich mich immer mehr aus dem Geschehen zurück. Ich lass die Reitschüler einfach mal machen und übe mich in Geduld. Sie dürfen ruhig Fehler machen (man muss nur genug Zeit einplanen, diese auch zu korrigieren).

 

 

Das Auftrensen 

 

Entweder ich lasse den Schüler vor dem Pony stehen und ihm die Backenstücken halten, während ich das Maul öffne. Wir ziehen die Trense dann gemeinsam über die Ohren. Fürs erste gibt das nicht so viel Hand- und Zügelsalat, besonders bei den kleinen Kindern. Wenn das funktioniert, führe ich die klassische Variante ein,, bei der die rechte Hand über die Nase greift und die linke Hand das Maul öffnet und das Gebiss ins Maul schiebt. Das ist koordinativ aber schon sehr anstrengend!

Wenn alles angezogen ist, dürften schon gut und gerne 30 Minuten vergangen sein. Egal, wie gut meine Kinder sind, wir sind fast nie schneller fertig; aber das ist auch gut so! Die Reitschüler sollen die Chance bekommen, sich beim Putzen auf das Pferd einzustimmen, ein bisschen abzuschalten und sich auf bevorstehendes vorzubereiten. Und auch ich als Pädagoge bekomme die Möglichkeit, mich ein wenig an das Kind zu gewöhnen. Ich frage manchmal, wie es in der Schule oder im Kindergarten war; da bekommt man meistens eine ganze Menge über die Launen und Stimmungen heraus, mit denen man gleich konfrontiert wird! Genügend Reitschulen setzen ihre Kinder auf fertig gesattelte Pferde und legen einfach los. Meiner Meinung nach geht da vor allem der partnerschaftliche Charakter verloren. Auch das Pony soll sich auf den Reitschüler einstimmen dürfen!

 

 

Rituale & Selbstständigkeit 

 

Ich gestalte meine Putz- und Sattelrituale möglichst immer nach gleichem Ablauf. So wissen meine Schüler beim nächsten Mal schon, welche Handlung folgen wird. Das ist auch nicht ganz uneigennützig: irgendwann blicken sie so gut durch, dass ich mich völlig aus dem Putzprozess herausziehen kann und nur noch beobachten muss (Aufsichtspflicht!!). Kinder lieben den Weg in die Eigenständigkeit. Ihr ganzer Entwicklungsprozess zielt drauf ab, irgendwann allein klar zu kommen. Sie sind mir meist auch nicht böse, wenn ich sie alles allein machen lasse. Im Gegenteil, es gibt ihnen ein Gefühl von Eigenständigkeit und das nötige Selbstvertrauen, schon etwas zu können.

Und dann gehts los in die erste Reitstunde!

 

 

Wie gestaltest du das erste Kennenlernen?