Pausen & Ausgleich für Schulpferde

Was du tun kannst, um deine Mitarbeiter bei Laune zu halten


Viel zu oft sehe ich Ponys und Pferde, die Runde um Runde mit ausdruckslosen Gesichtern im Reitunterricht gehen. Eine Stunde, noch eine Stunde und warum nicht noch eine Longenstunde hinten ran? Die ist ja nicht so anstrengend!
Meine Mission ist es, mehr gute Reiter auf der Welt zu schaffen. Gute Reiter, die dafür sorgen, dass es all den Pferden und Ponys auf dieser Welt besser geht, als es in manchen Pferdeställen immer noch der Fall ist. Gute Reiter bekomt man meiner Meinung nach aber nur durch guten Reitunterricht und gute Reitlehrer. Die Basis für diesen guten Unterricht sind wiederum gute Pferde und Ponys. Und wie erhält man sich als Reitlehrer diese guten Pferde und Ponys? Indem man sie fair und pferdegerecht behandelt. Klingt, als würde sich die Katze in den Schwanz beißen? So ist es nicht.
Eine Möglichkeit für diesen fairen und pferdegerechten Umgang sind regelmäßige Pausen und Urlaube für unsere besten Mitarbeiter.

In diesem Artikel erfährst du,

- warum Pferde Urlaub und Pausen brauchen
- wann und wie oft ein Schulpony Pausen benötigt
- wie diese Pausen vom Schulbetrieb aussehen können
- und wie du nach den Pausen deine besten Mitarbeiter wieder aus dem Urlaubsfeeling zurück holst

Meine beiden Schulponys Lucy und Katinka sind meine besten Mitarbeiter. Ohne die beiden wäre es mir schlicht und ergreifend nicht möglich, meinen Job als Reitlehrer auszuführen. Eigentlich bin ich dagegen, Pferde und Menschen miteinander zu vergleichen. Aber: im klassischen Management wären die beiden wahrscheinlich mein Humankapital im Betrieb, ohne die nichts läuft.
Und wie jeder Mitarbeiter seine Auszeiten benötigt, brauchen auch meine Ponys von Zeit zu Zeit eine Pause. Leider ist es ihnen nicht möglich, schon zu Beginn des Jahres einen Urlaubsantrag einzureichen, weswegen ich als "Vorgesetzte" die verantwortungsvolle Aufgabe besitze, für entsprechenden Ausgleich zu sorgen.
Damit auch du deinen Ponymitarbeitern regelmäßige, pferdegerechte Auszeiten schaffen kannst, will ich dir in diesem Artikel von meinen Erfahrungen berichten. - Denn die Zeiten, in denen Schulpferde ausgebeutet werden, sollten enden.

Warum brauchen Schulpferde Urlaub?

Um dir diese Frage zu beantworten, könntest du dich auch fragen: warum brauchst du hin und wieder Pause von deinem Job? Egal, ob du hauptberuflich im Büro Akten hin und her schiebst, eine Firma managst, noch zur Uni gehst oder auf dem Friedhof gärtnerst: Irgendwann benötigt jeder von uns Zeit zum Abschalten. Unser Körper muss sich geistig und körperlich von seinen Leistungen erholen - das funktioniert am besten im Urlaub!

Deine Ponys arbeiten sehr hart für dich. Sowohl geistig als auch körperlich sind sie während des Unterrichtens massivst gefordert. Sie betreiben Kraft- und Ausdauersport, um den Reiterwünschen gerecht zu werden. Sie lassen kleine und große hampelnde Lebewesen auf ihrem Rücken turnen, obwohl diese sich außerhalb ihres Sichtfeldes befinden. Jeder Reiter könnte auch genauso gut ein Tiger sein, der es auf dein Pony abgesehen hat.
Deine vierbeinigen Kollegen ertragen auch geduldig, wenn klein Lieschen ihre gewagten Flechtzopfvariationen aus der aktuellsten Wendy an ihnen ausprobieren möchte und dabei weniger sanft vorgeht. Sie passen auf, wenn jemand fällt, dass sie nicht drauf treten. Sie haben sowohl ein Ohr bei ihrem Schützling als auch bei dir. Sie müssen damit klar kommen, wenn der Reiter sich noch nicht ausbalancieren kann und helfen, wenn die Hilfen falsch waren oder die Distanz nicht stimmte.

Während des Urlaubs kann sich die Muskulatur deiner besten Mitarbeiter erholen und die Pferde bekommen den Kopf frei. Kraftreserven werden getankt und das Gefühl, nur mal Pferd zu sein, lebt wieder auf. Jedes noch so kleine Pferdchen hat ein Recht darauf, Pause vom "Arbeitsalltag" zu bekommen - nur so kann gewährleistet werden, dass du es alsbald wieder als zuverlässigen Kollegen im Reitunterricht einsetzen kannst.

Wann ist es Zeit für Ponyurlaub?

In der Regel zeigen Ponys, wann es Zeit ist, mal wieder einen Urlaub einzulegen. Die Häufigkeit der freien Tage und Wochen ist davon abhängig, wie hoch ihre Regelarbeitszeit ist. Meine beiden Mädels arbeiten im Schnitt drei Stunden am Tag und sechs Tage die Woche. Jeder menschliche Arbeitnehmer würde sich wahrscheinlich gleich drei Mal auf diese Stelle bewerben, weil die Arbeitszeit wirklich sehr überschaubar ist.
Leider greift der Vergleich zwischen menschlicher und pferdiger Arbeitsbelastung hier nicht. Auch, wenn es der Otto-Normal-Angestellte auf 40 Stunden pro Woche und der vielbeschäftigte Businesstyp auf 60+ Stunden schafft: Ponys und Pferde verstehen nicht, dass sie gerade Geld verdienen, mit denen ihre Miete und ihr Futter bezahlt werden. Sie leben im hier und jetzt. Deshalb benötigen sie ihren Urlaub auch sehr kurzfristig. Gelinde gesagt: ihr Weitblick reicht nicht aus, um die Dauer bis zur nächsten Auszeit abzuschätzen.
Ihr Bedürfnis nach Erholung richtet sich danach, wie die unmittelbar vorangegangenen Reitstunden gestaltet wurden: Gab es kräftezehrende Dressureinheiten auf dem Reitplatz? Wurde nur locker im Gelände rum gedümpelt? Ritten viele große Kinder oder waren die letzten Reitstunden eher die kleinen Reitanfänger am Start?


Meine Ponys benötigen spätestens nach dem sechsten Tag ein wenig Luft zum Durchatmen. Zu erkennen ist das am Allgemeinzustand: Sie sind dann nicht mehr nur ausgeglichen, sondern ein wenig mehr müde. Die Lust am Laufen hält sich in Grenzen, als Longenführer muss ich häufiger Treiben und auch die Reiterlein oben drauf haben mehr zu tun. Auch auf der Koppel kommen sie dann nicht mehr so freudig angelaufen. Diesen Moment, der sich über etwa zwei Reitstunden hinzieht, darf ich nicht verpassen. Missachte ich die Signale meiner Reitkinder, werden beide Ponys ungnädig. Meine kleine Lucy lässt sich dann auf der Koppel nicht mehr einfangen und Katinka fängt an, im Unterricht allerhand Unsinn zu erfinden, der wirklich gefährlich werden kann. Sie missachtete dann häufiger die Hilfen meiner Schüler, bekommt eigene Ideen von plötzlichen Richtungswechseln oder wird bockig.


Arbeiten Pferde nur einmal am Tag oder nur ein paar Mal in der Woche, muss natürlich nicht so häufig pausiert werden. Aber auch hier gilt zu beachten: Beobachte dein Pony oder Pferd: es zeigt dir eigentlich sehr zuverlässig an, ob es noch Lust hat oder nicht. Auch wenn du nur einen Schützling besitzt, dem du das Reiten nahe bringen möchtest: wenn er sich damit besonders schwer tut, kann eine Reitstunde genauso anstrengend sein, wie drei Stunden mit fortgeschrittenen Reitkindern. Der Schlüssel liegt hier in der Analyse des Gesamteindrucks.


Auch wenn dein Pony sich plötzlich im Unterricht komische Dinge angewöhnt oder sonst wie seltsam ist, solltest du ihm ein bis zwei Tage Auszeit gönnen. In diesen Tagen findet dann kein Unterricht auf diesem Pony statt. Du darfst diese Zeit dann aber nutzen, um dich intensiver um deinen Mitarbeiter zu kümmern und dich auf Ursachenforschung zu begeben. Manchmal sind Ponys einfach unterfordert vom vielen Anfängerunterricht oder überfordert von zu vielen Reitstunden. Nimm dir die Zeit, beobachte dein Pony, longiere es, sei aufmerksam beim Füttern. Ich bin kein großer Fan davon, bockige Pferde "durchlaufen" zu lassen, weil es meistens das Problem nicht behebt. Im Gegenteil: Oftmals wächst das Gefahrenpotenzial sogar noch an, wenn Pferde ärgerlich werden, weil sie niemand "erhört". - Und gefährliche Situationen sind das allerletzte, was du im Reitunterricht gebrauchen kannst!

Wie oft sollten Schulpferde Urlaub bekommen?

Ich habe leider noch keine Faustregel kennengelernt, die mir sagt, wie oft meine Mitarbeiter Urlaub machen müssen. Auch hier ist es wieder abhängig von den vorangegangenen Reitstunden. Feste Urlaubszeiten haben meine Ponys an den Feiertagen, besonders zwischen Weihnachten und Neujahr. Ansonsten spielt mir auch öfter das Schicksal zu. Dieses Jahr gab es schon zu Beginn aufgrund der Coronabeschränkungen zwei Monate Pause.
Momentan arbeite ich nur an den Wochenenden, weshalb meine Ponys sogar fünf Tage die Woche frei haben!

Schau dir den Zustand und das Verhalten deiner Mitarbeiter genau an, beobachte sie und entscheide vorausschauend und pferdegerecht, wann es Zeit zum Durchatmen ist. Besser, du machst einen Tag eher frei, als wenn dein Kind wegen irgendwelcher gemütsbedingter Unarten neben dem Pony liegt.
Das gilt übrigens nicht nur, wenn das Pony komisch wird: Deine Mitarbeiter haben ebenso Urlaub verdient, wenn sie besonders erfolgreich auf dem Turnier waren oder in den letzten Reitstunden wirklich alles für dich und deine Schüler gegeben haben! Immer dann Pause machen, wenn es am Schönsten ist - und nicht erst dann, wenn die Kacke am Dampfen ist.

Wie sieht so ein Ponyurlaub aus?

Wenn meine Ponys einen Kurzzeiturlaub bekommen, dann stell ich sie einfach auf die Koppel und lass sie Pferd sein. Sie leben 24h im Offenstall und können tun und lassen was sie wollen. Es reichen meistens schon ein bis zwei Tage ohne Reitschüler, damit sie wieder Kraft tanken können. Nach anstrengenden Wochen mit vielen Kindern, Turnierbesuchen oder Lehrgängen gönne ich den beiden aber auch einmal eine längere Auszeit von ein bis zwei Wochen. Allerdings versuche ich in diesen unterrichtsfreien Zeiten trotzdem ein wenig Bewegung, geistigen Ausgleich und Weiterbildung einzubauen. Beide Ponys werden dann alle paar Tage locker longiert, lernen ein paar neue Kommandos und Tricks oder ich fahre mit ihnen Fahrrad. Manchmal lasse ich auch erfahrene Kinder mit ihnen spazieren gehen oder sie putzen; aber in der Regel versuche ich den Kinderkontakt in den Pausen so gering wie möglich zu halten.
Ich lasse sie nur ungern völlig ohne Bewegung stehen, da mir die Gefahr des Muskelabbaus zu groß ist. Es hat keinen Sinn, wenn Kraft und Ausdauer im Urlaub so sehr geschwächt werden, dass in den ersten Reitstunden direkt Muskelkater droht. Da ist das Urlaubsfeeling direkt wieder verflogen.
Besonders wichtig ist mir die gymnastizierende Arbeit während des Urlaubs. Es ist natürlich erstrebenswert, wenn jedes Pferd auch während der "Arbeitszeit" entweder durch gute Reitschüler oder durch den Reitlehrer gesundheitsförderndes Training erfährt - mitunter ist das aber nicht möglich. Manchmal sind die Kinder noch zu unerfahren oder es fehlt schlicht und ergreifend die Zeit. Gerade dann ist es wichtig, sich freie Tage nutzbar zu machen, an denen man dem Mitarbeiter wieder den Weg in die Tiefe und das losgelassene Schwingen über den Rücken ins Gedächtnis ruft. Alles in einem Rahmen, in dem das Pony zwar ein wenig gefordert, aber nicht überfordert werden soll.

Jeder Reitstall hat natürlich ganz eigene Modelle vom Ponyurlaub. Bei mir der Nähe gibt es den Ponyferienhof Zislow, auf dem die Ponys die Sommerferien über sehr viel arbeiten. Als Ausgleich dürfen sie dann den kompletten Winter auf einer riesigen Koppel mit all ihren Pferdefreunden stehen. Niemand reitet sie, niemand longiert sie, sie sind einfach nur Pferd. In diesem Zeitraum verdienen die Pferde natürlich kein Geld - aber das haben sie die restliche Zeit des Jahres ja genug getan.

Du findest sicher ein passendes Modell, wie du deinen Mitarbeitern regelmäßige Auszeiten geben kannst, um im Anschluss wieder mit ihnen durchzustarten. Lass es die Reiter- und Reitlehrerwelt unbedingt wissen!

Wie geht es nach dem Ponyurlaub weiter?

Viele Mitarbeiter fürchten ihren ersten Arbeitstag nach dem Urlaub im Büro. Unerledigtes Zeug stapelt sich, das Mailpostfach quillt fast über, der Chef hat schon wieder ein neues Projekt - und ehe man es sich versieht, ist der Erholungseffekt des Urlaubs verpufft.
Die Gefahr besteht auch bei deinen Ponys! Überlege dir also genau, wie du die ersten Tage nach dem Ponyurlaub gestaltest. Hier richtet sich das Arbeitspensum nach der Dauer des Urlaubs. Hatte dein Pony nur ein, zwei Tage frei, kannst du ganz normal wieder durchstarten. Vielleicht beginnst du nicht gleich mit einer schwierigen Reitstunde sondern legst den Fokus zuerst auf viel vorwärts abwärts oder tingelst mit ein paar Anfängern erst eine gemütliche Schrittrunde ins Gelände.
Wenn dein Pony für längere Zeit auf der Koppel war, solltest du es Schritt für Schritt wieder antrainieren. Wenn du trotz unterrichtsfreier Zeit für Bewegung und Gymnastizierung gesorgt hast, dauert das natürlich nicht so lange, wie wenn dein Pony im Urlaub "nichts" getan hat.
Meine Ponys sind nach ihrem Urlaub immer hochmotiviert - manchmal sogar ein bisschen zu sehr! Ich habe mir daher angewöhnt, möglichst erst ein paar Longenstunden zu geben, weil man da das Pferd doch wesentlich besser unter Kontrolle hat, als wenn der Reitschüler frei reitet. Dabei ist es fast egal, wie gut der Reitschüler oben drauf schon reiten kann: Sitzschulungen bieten sich für jeden an!
Wenn du einen kleinen Teufel hast und dir nicht ganz sicher bist, wie ausgeglichen dein Mitarbeiter in seiner ersten Reitstunde nach dem Urlaub sein könnte, dann steh lieber eine Stunde früher auf und longiere ihn morgens. Ich bin kein Fan davon, das Pferd mitten in der Reitstunde zu longieren, während der Reitschüler dabei ist. Wenn die Reitanfänger sehen, wie wild und bockend meine Ponys an der Longe sein können, besteht die Gefahr, dass sie ein wenig zu viel Respekt vor dem eigentlichen Reiten bekommen :D

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es keine Faustregel für regelmäßigen Urlaub oder die Urlaubsgestaltung beim Schulpferd gibt. So wie jeder Mensch sich anders erholt, ist es auch bei Pferden und Ponys. Du als Verantwortlicher hast daher die ehrenvolle Aufgabe, den Allgemeinzustand deiner Pferde und Ponys zu beobachten und im Fall der Fälle einen Kurzurlaub zu verschreiben!

Nur mit regelmäßigen Pausen und Urlauben können wir gewährleisten, dass die Arbeitskraft unserer Mitarbeiter langfristig erhalten bleibt. Und nur so ist es uns möglich, gemeinsam auf guten Ponys guten Unterricht für mehr gute Reiter auf der Welt zu schaffen.
Deine Art, wie du mit deinen Pferden und Ponys im Unterricht umgehst, wie du ihre Bedürfnisse respektierst und wie du dich für sie einsetzt hat eine unglaubliche Vorbildfunktion für deine Reitschüler! So, wie du deinen Ponys und Pferden Pausen gegönnt hast, werden es auch deine Reitschüler für die Zukunft übernehmen. Sprich ruhig mit deinen Schülern darüber, warum das ein oder andere Pony Pause benötigt. Damit sensibilisierst du deine Schüler für die Bedürfnisse der Pferde in der Zukunft.
Also scheu dich nicht, auch Pferden und Ponys hin und wieder eine kleine Auszeit zu geben. Du wirst sie mit doppelter Arbeitskraft und vollem Tatendrang wieder in den Unterricht schicken können!

Wie oft machen deine Pferde und Ponys Urlaub und wie sieht der dann aus? Hinterlasse mir gerne eine Nachricht oder schreibe einen Kommentar.

Shetlandpony Marcy bei der Pause
Shetlandpony Marcy bei der Pause