Preiskalkulation für  Reitstunden

Wie du den richtigen Preis für deinen Reitunterricht findest


von Jessica Jacob

 

Neben der ganzen Reitlehrertätigkeit am Schüler spielt auch die Preisgestaltung eine große Rolle. Ich habe mit 10 Euro angefangen. Oh Gott, ich habe wirklich für 10 Euro unterrichtet - so wichtig war mir die Weitergabe von Wissen, so unwichtig war mir der Wert meiner eigenen Leistung. 

 

In diesem Artikel erfährst du, 

  • woran du dich orientieren darfst, wenn du deine eigenen Preise festlegst und
  • wie meine Preisentwicklung aussah

Zunächst sei gesagt: Ich gebe den Unterricht nicht, um davon zu leben. Auch dieser Artikel richtet sich nicht an Menschen, die ihren Lebensunterhalt vom Unterrichten bestreiten wollen. Ich möchte vor allem Menschen ansprechen, die den Reitunterricht nebenberuflich geben.

 

 

Was heißt nebenberuflich für mich (und vielleicht auch für dich)?

 

Das heißt, ich gehe einer anderen Beschäftigung nach, bei der ich sozialversichert bin. Ich muss mich nicht selbst krankenversichern und habe meine Tätigkeit als nebenberuflich beim Finanzamt gemeldet. Dadurch bin ich nicht gezwungen, mit dem Unterricht meinen Lebensunterhalt zu verdienen und es wird der komplette Druck aus der finanziellen Situation gezogen. Das erlaubt es mir auch, die Reitstunden teilweise unter Wert weil angepasst an lokale Bedingungen zu geben. In manchen Destinationen muss man sich nämlich ein wenig anpassen, damit die Leute nicht vom Stuhl fallen, wenn man die wahren Preise verlangt. Müsste ich vom Unterricht leben, wäre ich entweder gezwungen, meine Ponys mehr arbeiten zu lassen, den Ponybestand zu erhöhen oder die Preise um ein Vielfaches zu erhöhen. Da dies nicht mein Bestreben ist und auch nicht die Zielgruppe Nummer eins dieses Artikels betrifft, gehe ich nicht auf weitere Kosten ein, die anfallen, sobald man eine eigene Reitschule eröffnet. 

 

 

Der Preis an sich 

 

Letztendlich drückst du mit deinem Preis aus, wie wertvoll du deine Arbeit einschätzt. Und ich denke wir wissen beide, wie wertvoll dein Tun für die Pferdewelt ist, oder? Der Preis spiegelt auch wieder, was du in der Zeit mit deinem Schüler leistest. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das viele Kunden vergessen. Wir unterrichten nicht nur. Wir sind Erzieher, Ansprechpartner, Freund, Helfer, Vorbild, Snackbar, Getränkeland und wir haben die Aufsichtspflicht. Wir sind für unsere Jüngsten der Pferdekosmos in Persona, quasi der Reitgott. Und das alles nur, wenn die Kinder da sind. Außerhalb der Reitstunden planen wir diese, trainieren wir unsere Pferde, reiten wir sie Korrektur, schauen uns nach geeigneten Schulpferden um, betreiben Marketing, sammeln Materialien, überlegen uns abwechslungsreiche Reitstunden, schlagen uns mit blöden Facebook-Kommentaren rum, etc. In dieser Zeit bezahlt uns niemand für das was wir tun. Mach dir deine anfallenden Tätigkeiten bewusst und überlege dir, wie du entlohnt werden möchtest. 

 

 

Anfallende Kosten

 

Maßgeblich für die anfallenden Kosten als Reitlehrer ist die Tatsache, ob du mit eigenen Pferden unterrichtest oder auf fremden Pferden. Die eigenen Pferde müssen angeschafft, untergestellt und versorgt werden. Je nachdem wie groß dein Schuli ist und wie hoch deine Ansprüche an die Trainingsbedingungen sind, kommen da ordentliche Kosten auf dich zu. 

Wenn du nur Schüler mit eigenen Pferden unterrichten willst, fallen sowohl die Haltungsgebühren als auch Kosten für Tierarzt und Co. weg. Außerdem musst du nur dich selbst als Reitlehrer versichern. 

Fixkosten, die bei beiden Versionen anfallen sind die Reitlehrerhaftpflichtversicherung, sowie die Spritkosten.

Seid ihr auch bewusst, dass du neben deiner Tätigkeit als Reitlehrer auf dem Platz auch ein wenig Verwaltungsaufwand haben wirst. Die Reitstunden müssen geplant und koordiniert werden. Ich erschrecke mich oft, wie lange ich eigentlich dafür benötige, um meine Stunden zu planen! 

Mach dir klar, wie es um deine anfallenden Kosten steht und in welcher Weise du diese decken musst und möchtest. Wenn du einen gut bezahlten Hauptjob hast und nicht auf das Geld angewiesen bist, dann kannst du natürlich die Stunden für einen geringen Preis oder gar kostenlos geben. Ich richte mich mit meinem Artikel aber an Menschen, die nicht das große Geld haben, um als Gutmensch mit Gratislerneinheiten im Pferdesport durchzustarten. Ausgehend davon, hast du als mein Leser nicht zu viel Geld übrig und musst schauen, wie du dein Geld verdienst.

 

 

Deine Kunden

 

Mach dir zunächst klar, wer deine Kunden sind und wer deine Leistung braucht. Im Kinderreitunterricht sind es nicht die Kinder, die die Reitstunden bezahlen, sondern die Eltern. Gewissermaßen sind es auch die Eltern, die dich als Reitlehrer brauchen, um das Bedürfnis, ihrem Kind durch Reitunterricht Freude zu bereiten,zu erfüllen. Deine Schüler sind “lediglich” das Messwerkzeug für die Güte deiner Leistung. Kommen die Schüler zufrieden vom Reitunterricht heim, haben etwas gelernt, wollen mehr oder ein Pony, ist das für die Eltern ein Indiz, dass sie ihr Geld richtig investiert haben. 

 

Auch bei der potentiellen Schaltung von Werbung musst du eher auf die Gewohnheiten der Eltern achten. Ich hatte es schon öfter, dass Kinder im Kindergarten oder in der Schule von ihren Reitstunden berichtet hatten. Die Freunde zeigten dann ebenso Interesse. Und an wen tragen sie das Interesse heran? Genau, an die Eltern. Letztendlich waren es Frau und Herr Müller, die mir über facebook oder WhatsApp schrieben, ihr Kind wolle bei mir reiten lernen. Die Kinder stellen eine Nebenzielgruppe in Form des Gradmessers dar, deine Hauptzielgruppe sind die Eltern! (Falls jemand zur besonderen Zielgruppenkonstellation im Bereich Eltern-Kind einen Fachartikel hat, möge er mir diesen bitte zukommen lassen!)

 

 

Strategien zur Preiskalkulation

 

Da ich auf diesem Gebiet selbst nicht so bewandert bin, habe ich im Netz für dich geschaut, wer sich da bereits was schönes überlegt hat. Ich beziehe mich im Nachfolgenden auf die Artikel von Mag. Roman Kmenta, der auf der Seite coach-success.de von Christina Emmer einen Beitrag zur Preiskalkulation publiziert hat und auf Wiebke Wagner von Marketing für Pferdepros. Um den Rahmen dieses Abschnittes nicht zu sprengen, gehe ich nicht auf alle Preisstrategien ein, mit denen du deine Reitstunde kalkulieren kannst. Dafür darfst du selbst auf die Links klicken.

 

Der Unternehmer, Autor und Keynote Speaker Mag. Roman Kmenta hat auf der Seite coach-success.de Tipps für die Preiskalkulation speziell für Coaches, Berater und Trainer, wie du einer wirst, festgehalten. Er hat zwar keine Ahnung von Pferden (behaupte ich jetzt einfach mal), aber: Er hat Fragen festgelegt, die sich der “Preissuchende” stellen soll, um den opimalen Preis für sich beziehungsweise seine Leistung zu finden. Wiebke Wagner bezieht sich auf ihrem Blog Marketing für Pferdepros konkret auf Businesstipps im Reitsport. Ich nutze vor allem ihre Informationen aus dem Artikel 5 Methoden, um den richtigen Preis festzulegen.

 

Maßgeblich für die Preisentwicklung ist deine Herangehensweise an deinen Preis beziehungsweise deine Positionierung auf dem Markt. Willst du Reitunterricht im höheren Preissegment geben oder eher im Discount-Bereich? Wiebke benennt die Vor- und Nachteile beider Strategien: Im Hochpreissegment verdienst man ganz klar mehr, es dürfte sich aber gerade zu Beginn relativ schwer gestalten, Neukunden von seiner Arbeit und dem Preis zu überzeugen. Im Niedrigpreissegment verdienst du selbstverständlich weniger und musst mehr arbeiten; aber die Kunden kommen auch leichter! Ich möchte noch ergänzen, dass dieses Hoch- und Niedrigpreissegment gerade bei lokalen Angeboten wie dem Reitunterricht stark von der Region und der Kaufkraft abhängt! In manchen Destinationen gelten Reitstunde für 20€ als Edelprodukt, anderorts wirst du müde dafür belächelt. 

 


Die Frage nach dem Durchschnitt

 

Roman Kmenta sagt, du sollst dich als erstes fragen, wie viel im Durchschnitt für diese Leistungen verlangt wird. Das heißt, du darfst dich an deinen Mitbewerbern orientieren und schauen, was die für gleiche oder ähnliche Leistungen verlangen. Allerdings wendet er ein, dass du, wenn du dich am Durchschnitt orientierst, mit deiner Leistung auch nur als durchschnittlich wahrgenommen wirst. Möchtest du das? Er weist auch darauf hin, dass Einsteiger oftmals den Fehler begehen, sich anfangs im unteren Preissegment zu positionieren. Ich hab das auch getan um erst einmal rein zu kommen. Rückblickend würde ich es aber nicht mehr so machen. Es ist hart, für einen Dumpingpreis zu arbeiten, der nicht einmal annähernd die anfallenden Kosten deckt. Roman meint auch, dass viele Kunden oftmals gar nicht unterscheiden können, ob sich dort ein Anfänger aufs Feld begibt, oder jemand mit mehr Erfahrung. In meinem Fall waren die Eltern in der umliegende Wallapampa einfach nur froh, eine weitere Möglichkeit für Kinderreitunterricht gefunden zu haben. Nach meinen Qualifikationen und die davon abhängenden Preise hat bis heute niemand von ihnen gefragt! 

 

Positionierst du dich bei deinen Preisen durchschnittlich, dann wirst du auch durchschnittlich wahrgenommen.

 

Wiebke Wagner weist bei dieser Strategie zusätzlich darauf hin, dass du vor allem Angebote der Konkurrenz mit deinen vergleichst, die auch die gleiche Leistung umfassen. Du kannst nicht gucken, wie viel der örtliche Reiterhof für eine Gruppenreitstunde verlangt und danach deine Einzelreitstunden auslegen. Außerdem besteht das Problem im Pferdesport darin, dass sowieso viele Dienstleistungen zu günstig verkauft werden - wenn du dich dann an der Konkurrenz orientierst, wird dein Geschäftsmodell vielleicht nicht erfolgsversprechend genug.

 

 

Die Frage nach den Lebenserhaltungskosten 

 

Die zweite Frage zur Preiskalkulation fragt nach den Lebenserhaltungskosten. Da ich nicht davon ausgehe, dass du Vollzeitreitlehrer werden willst, wandle ich diese Strategie ein wenig ab: Du sollst dir ausrechnen, wie viel Geld du mit deinem Unterricht verdienen musst, um hochwertigen Unterricht geben zu können! Dabei zählst du zuerst alle anfallenden Kosten zusammen und teilst diese durch die Anzahl deiner möglichen Stunden. Das Ergebnis drückt aus, wie viel du verdienen musst, um nicht mit einem Minus aus dem Geschäft zu gehen. Fertig ist der Preis.

Das Arbeiten mit solchen Preisen macht allerdings keinen großartigen Spaß, weil am Ende nichts hängen bleibt. Wiebke hat hier noch einen sehr wichtigen Punkt erwähnt: Wenn du zu deinen Reitschülern fahren musst und dabei eine Stunde im Auto sitzt und eine Stunde auf dem Reitplatz stehst, dann hast du nicht eine Stunde gearbeitet, sondern zwei. In der Anfahrtsstunde hättest du nämlich genauso gut eine weitere Reitstunde geben können! 

 

 

Die Frage nach dem Willen des Kunden

 

Romans dritte Frage lautet: Wie viel ist der Kunde bereit zu zahlen? Die meisten Kunden wären bereit gewesen, auch noch ein wenig mehr für die gekaufte Leistung zu zahlen. Daher darfst du nach dieser Preisstrategie deine Preise Schritt für Schritt erhöhen, bis du einen deutlichen Widerstand spürst. Ab da wirst du vorsichtig: Du musst jetzt schauen, welche Kunden du verlieren würdest. Mit dem Verlust zeichnet sich deine Zielgruppe expliziter ab; es kommen nicht mehr alle, weil es so günstig ist, sondern tendentiell mehr Reitschüler, weil du gut bist (und sich diese Qualität im Preis widerspiegelt).  Ich erfuhr das in meiner eigenen Preisgeschichte, die du weiter unten im Text lesen kannst, ebenso. Ich fing mit popligen 10€ an und konnte, ohne Kunden zu verlieren, Schritt für Schritt erhöhen. Erst bei 20€ verlor ich Reitschüler, auf die ich aber auch verzichten konnte. 

 

Teste einfach mal Schritt für Schritt, wie weit du gehen kannst!

 

 

Die Frage nach dem Nutzen für den Kunden

 

Frage 4 fragt nach dem Nutzen, den deine Leistung dem Kunden bringt. Dabei suchst du nach den Problemen deiner Schüler (und deren Eltern) und überlegst dir, wie weit dein Unterrichtsangebot diese Probleme lösen kann - daraus schnürst du dann ein “Problemlösungspaket”. Beispielsweise linderst du mit deinem Unterricht das Verlangen nach dem “Ostwindfeeling” beim Kind. Beim Elternteil löst du das Problem der fehlenden Kompetenz, um das Bedürfnis des Kindes zu erfüllen. Gleichzeitig schaffst du den Eltern sogar noch einen Mehrwert, indem du ein paar Stunden auf ihre Kinder aufpasst. Hauptaugenmerk dieser Strategie liegt auf der Schnürung von Paketlösungen die sich vom klassischen Stundensatz lösen. Für den Unterricht würde das bedeuten, dass du beispielsweise einem Schüler so lange Unterricht gibst, bis er selbstständig galoppieren kann und dafür einen festen Preis unabhängig von der Stundenanzahl verlangst. Lernt der Schüler schneller, hast du dein Geld leichter verdient, benötigt er länger als durchschnittlich, vermittelst du das Gefühl, der Kunde würde Geld sparen.

 

Zugegeben, diese “Pakete” sind im Reitunterricht noch nicht sonderlich etabliert. Sie finden sich eher im Ausbildungsbereich für Pferde oder vielleicht noch in den Reiterferien, bei denen die Dienstleistenden nicht nach Stunde sondern im Package bezahlt werden. Aber vielleicht gelingt es dir ja, eine Art Kombipaket zu schnüren, das sich erfolgreich abrechnen lässt? Lass es mich unbedingt wissen!

 

Wiebke erwähnt auch die Möglichkeit verschiedener Preisstufen für verschiedene Kundengruppen. Beispielsweise könntest du Ponyführen, Longenstunden und Einzelreitstunden voneinander trennen und so auf die verschiedenen Bedürfnisse von Eltern und Kindern eingehen. Allerdings teilt sich dadurch auch deine Zielgruppe und du musst verschiedene Menschen auf verschiedenen Wegen damit ansprechen. 

 

Letztendlich ist es wichtig, dass du dich mit deinem Preis wohlfühlst. Wenn dir die Knie schlackern beim Kassieren deiner Leistung, solltest du hinterfragen, wie es um dein Selbstwertgefühl steht. Schätzt du den WERT deiner Arbeit richtig ein? Wovon lässt du dich beeinflussen? Welche Glaubenssätze herrschen in dir, die es vorerst zu entzaubern gilt? Ich bin der Meinung, dass sich dein Produkt “Reiten lernen” in Form einer Dienstleistungen am allerbesten verkauft, wenn du selbst zu 200% davon überzeugt bist. Dann bringst du auch die nötige Leidenschaft und das Engagement mit, “Verkaufsgespräche” zu führen und zu argumentieren. Wenn du Feuer für dein Tun hast, springen leichter Funken über!

 

 

Meine persönliche Version 

 

Mein großes Glück besteht darin, dass meine Ponys noch immer bei meinen Eltern auf dem Hof wohnen und keine laufenden Pensionskosten anfallen. Auch der Hufschmied und der Tierarzt sind relativ günstig. Meine Ponys sind nicht kranken- oder OP-versichert, wobei ich hier noch unschlüssig bin, ob das so bleibt. Laufende Kosten für meine Ponys fallen wirklich nur durch die Versicherung, den Hufschmied, den Tierarzt und durch Ergänzungsfuttermittel an, wobei die Versicherung dabei den größten Teil einnimmt. Auch die unregelmäßigen Anschaffungen halten sich in Grenzen, da ich wenig Wert auf farblich passende Schibbischabbis lege und notwendige Ausrüstung immer erst versuche, gebraucht zu kaufen. 

 

Ich hatte mir mit Fortschreiten meiner Reitlehrertätigkeit notiert, welche anfallenden Kosten für die Ausübung anfallen. Die Reitstunden sollten wenigstens die laufenden Kosten decken. Die Summe teilte ich durch die Anzahl der maximalen Reitstunden, wobei ich immer eine Stunde als "Puffer" nicht mit berechnete, falls sie ausfällt.  obendrauf packe ich den Gewinn, den ich aus meiner Reitstunde ziehen möchte. Mit diesem Gewinn investiere ich in meine eigene Weiterbildung, oder decke Teile meiner persönlichen anfallenden Kosten.

 

Aktuell bezahlen meine Kunden bei mir 20€ für 1,5h Ponyzeit. Inkludiert sind im Preis Pony holen, Putzen, fertig machen, 45 Minuten reiten und 15 Minuten Nachbereitung.

 

 

Wenn Brot und Butter von Reitstunden abhängig sind

 

Sicherlich lachen einige erfahrene Reitlehrer, denen der Artikel zufällig in die Hände gefallen ist, nur müde, wenn sie meinen Unterrichtspreis sehen. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass ich mit meinen Reitstunden nicht meinen Lebensunterhalt bestreite.

 

Es gab Zeiten, da war ich tatsächlich vom Unterricht abhängig und benötigte jede einzelne Reitstunde, um über die Runden zu kommen. In diesem Stunden stieg der Leistungsdruck, den ich mir machte, enorm. Den Kindern mussten die Stunden gefallen, es musste klappen und toll sein, weil ich es mir einfach nicht erlauben konnte, einen Kunden zu verlieren. Dieser “Leistungsdruck” übertrug sich auf das sensible Lebewesen Pferd und meine Ponys fingen an, störrischer und unberechenbarer zu werden. Es dauerte einige Wochen, bis ich die Ursache entdeckte und es dauerte noch ein paar Wochen mehr, bis ich eine Lösung fand. Inzwischen bin ich finanziell nicht mehr von den Reitstunden abhängig. Ich muss mich nicht mehr mit Kindern abgeben, mit denen ich mich nicht so gut verstand. Ich muss keinen Eltern mehr Honig um den Mund schmieren, obwohl ich das nicht will. Ich kann völlig frei entscheiden, wer bei mir reiten darf und mit wem ich zusammen arbeiten will. Dadurch habe ich ausschließlich Lieblingskinder bei mir, die mir permanent gute Laune bescheren! Als ich noch auf jedes Kind einzeln angewiesen war, musste ich mich auch mit solchen Kindern rumplagen, die eigentlich gar nicht reiten wollten und eher von den Eltern geschickt wurden. Das wirkte sich negativ aus: sowohl auf meine Laune in der betroffenen Stunde als auch auf die Stunden danach. Das ist nun nicht mehr so.

 

 

Als ich entdeckte, wie befreiend es sein kann, finanziellen Druck aus der Situation zu nehmen, wurde mir auch klar, dass ich niemals hauptberuflich Reitlehrer sein könnte. Um meinen Lebensstandard decken zu können, bräuchte ich ziemlich viele Lieblingskinder, denen ich das Geld aus der Tasche ziehen müsste. Zusätzlich zu den Lieblingskindern auch noch ein paar mehr Ponys und dann würden die laufenden Kosten die Einnahmen übertreffen… Wie dem auch sei. Es sei dir gesagt: Wenn du finanziell von den Einnahmen deiner Reitstunden abhängig bist, leidet früher oder später die Qualität. 

 

 

Wie meine Preisentwicklung ablief und wovon sie abhing 

 

Ich bin der Meinung, dass sich der optimale Preis erst finden muss und nur selten von Anfang an fest steht. Erfahrungsgemäß ist er sogar dynamisch und passt sich den Umständen an. Du selbst entwickelst dich weiter, dein Umfeld ebenso, es kommen Krisen mit denen keiner rechnet, du gewinnst im Lotto und bist nicht mehr auf Geld angewiesen, etc. Im Nachfolgenden erzähle ich dir ein bisschen, wie meine Preisentwicklung ablief.

 

Meine Wenigkeit hat sich das Reitlehrerbusiness nebenbei aufgebaut. Vorneweg sollte ich die Destination erwähnen, in der ich arbeite: nordöstlichen Wallapampa, 50km von der nächsten Großstadt entfernt, das Angebot an Reitschulen sehr mau bis nicht vorhanden. Die Infrastruktur ist mies und das Durchschnittseinkommen der Eltern nicht sonderlich rühmlich.

Wie gesagt habe ich mit 10 Euro für 1,5h Pferdezeit inklusive Putzen und Co. verlangt. Heruntergebrochen auf den Stundenlohn von 6,60 Euro waren das geschenkte Reitstunden. Ich unterrichtete auch nur vier Kinder, das war also alles überschaubar und absolut nicht auf den großen Gewinn ausgelegt. Ich habe mir 2016, als das alles begann, noch keine Gedanken darüber gemacht, wie wertvoll meine Arbeit ist, welchen Aufwand sie mir bereitet und was am Ende hängen bleibt. Die Pferde hatte ich eh, sie liefen bei meinen Eltern auf dem landwirtschaftlichen Hof (es fielen also keine Pensionskosten an) und ich war sehr froh darüber, dass meine Shettys endlich eine sinnvolle Beschäftigung gefunden hatten. Außerdem hatte ich damals noch nicht einmal einen berufsqualifizierenden Abschluss sondern lediglich mein Abitur, ein paar Semester Sudienerfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit und Reiterfahrung, die mir lediglich durch das kleine Reitabzeichen und den Reitpass bescheinigt werden konnten. Die 10 Euro erschienen mir legitim. Ich versicherte mich übrigens schon sehr früh als Reitlehrer! Welche Versicherung ich abgeschlossen habe, erfährst du im passenden Kapitel.

 

Als ich mein Studium in Magdeburg startete, bin ich weiterhin jedes Wochenende in die Heimat zu meinen Ponys gependelt und habe unterrichtet. Ich fuhr das erste Mal “zur Arbeit”, und das satte 200km für eine Tour. Spritkosten, Zeitaufwand und fehlndes Wochenende animierten mich dazu, die erste poplige Preiserhöhung auf 13 Euro umzusetzen. Oh was schlackerten mir die Knie, als ich das den Eltern beibrachte! Aber sie nahmen die Preiserhöhung ohne Murren in Kauf. Ich war zu dem Zeitpunkt immer noch eine der günstigsten Reitlehrer im Umkreis. Der Unterricht lief sehr gut und ich hatte immer wieder neue Anfragen. Außerdem tätigte ich neue Anschaffungen wie zum Beispiel paassendere Sättel oder die Franklin-Bälle! Besonders der hohe Preis der Bälle verleitete mich dazu, den Wert meiner Arbeit noch einmal zu überdenken. Mein damaliger Freund erlebte hautnah mit, welchen Aufwand ich betrieb, jedes Wochenende in die Wallapampa zu fahren, um kleinen Kindern das Reiten beizubringen, wie ich kein Wochenende hatte und was mir das alles bedeutete, dass ich es trotzdem tat. Er gab letztendlich den Anstoß, noch einmal die Reitstunde auf 15 Euro zu erhöhen. Auch diese Erhöhung ertrugen die Eltern meiner Reitschüler kommentarlos und so ging es erst einmal eine Weile weiter. 

 

Schließlich absolvierte ich mein Studium und konnte mich Bachelor of Arts im Fach Bildungswissenschaften nennen. Ich hatte endlich einen berufsqualifizierenden Abschluss! Dennoch war nicht mein Abschluss der ausschlaggebende Punkt, meine Preise noch einmal zu erhöhen, sondern die Tatsache, dass ich lange Zeit zwar mich als Reitlehrer versichert hatte, aber meine Ponys nicht. Warum das so wichtig ist, erfährst du hier: Mit Abschluss der Ponyversicherung, die, heruntergebrochen auf die Anzahl meiner höchstmöglichen Stundenzahl, ganz schön teuer war, musste ich den Preis noch einmal deutlich erhöhen. Ich stieg auf 20 Euro an. Da schluckten die ersten Eltern und einige Schüler reduzierten ihre Stunden oder kamen nicht mehr. Mir tat es ein bisschen weh, so viel Geld zu verlangen. Allerdings ermutigte mich die Tatsache, dass ich EINZELSTUNDEN gab, welche anderorts noch viel teurer waren, den Preis durchzuziehen. Außerdem machte ich mir viel mehr Gedanken um meine Reitstunden, als vorher und hatte ein enormes Maß an Wissen zugelegt. Und nicht zu vergessen: Ich fahre immer noch jedes Wochenende gute 500km (inzwischen bin ich umgezogen) durch die Prärie und gebe mein Wochenende auf um Unterricht zu geben. Die Spritkosten machen tatsächlich einen erheblichen Anteil meiner Kalkulation aus, die wahrscheinlich niemand anderes in dieser Form hat. Allerdings spare ich mir im Umkehrschluss auch die Pensionskosten für meine Ponys. All das musste ich mir aber erst noch einmal bewusst machen, bevor ich mit meinem Preis richtig zufrieden war. Aktuell bin ich noch immer bei diesem Preis-Leistungsverhältnis. So lange sich an den Gegebenheiten nichts ändert, werde ich dies auch so beibehalten. Mit Absolvierung eines Trainerscheins oder anderen Fortbildungen würde ich jedoch wieder darüber nachdenken, etwas am Preis zu machen.

 

 

Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Beitrag einen kleinen Einblick in Preisgestaltungen im Reitunterricht geben und du fühlst dich ermutigt, ebenso dein Reitlehrerbusiness aufzubauen!

 

Erzähl doch mal: wie viel verlangst du für deine Reitstunde und wie setzt sich der Preis zusammen?