HAFTUNG & VERSICHERUNG IM REITUNTERRICHT 

TEIL 1: VERKEHRSSICHERUNGSPFLICHT UND VERANTWORTUNG 


Von Jessica Jacob

 

 

Warum ich mich absichern sollte: Verkehrssicherungspflicht & Verantwortung 

 

Im ersten Teil meiner kleinen Haftungs- und Versicherungsserie geht es um

  • die Verkehrssicherungspflicht im Reitunterricht, 
  • welches Maß an Verantwortung du trägst und
  • wie dir ein klein wenig Last von den Schultern genommen werden kann.

Ab dem Moment, wo du Reitschüler auf Pferden unterrichtest, trägst du Verantwortung für zwei Lebewesen. Es entsteht ein Dienstvertrag zwischen dir und deinen Reitschülern nach §§611 ff BGB. Du unterrichtest als "Besserwisser" die "Unwissenden", Sie führen auf deine Anweisung hin Aufgaben aus, die auch einmal nach hinten losgehen können. Im schlimmsten Fall musst du ein Leben lang an deinen invaliden Reitschüler Zahlungen leisten - willst und vor allem kannst du das?

 

Die Rechtsanwältin Iris Müller-Klein erklärt in ihrem Artikel "zur Haftung der Reitlehrer" Grundlegendes: Ein Reitlehrer ist gemäß der Rechtsprechung dazu verpflichtet, den Reiter vor Unfällen und daraus folgenden Schäden zu schützen, die eine nicht ausreichende Beherrschung des Reitsports mit sich bringen kann. Diese Pflicht nennt sich Verkehrssicherungspflicht und ist in § 241 Abs. 2 des BGB zu finden. Auch für Schäden am Schulpferd, kannst du zur Verantwortung gezogen werden, wenn du nachweislich die Schuld trägst, dass es jetzt verletzt ist. Hier greift zwar nicht die Verkehrssicherungspflicht, aber die allgemeine Schadensersatzpflicht nach § 823 BGB.

Ein Beispiel für die Pflichtverletzung der Verkehrssicherungspflicht im Reitunterricht ist etwa, wenn du deinem Schüler ein Pferd für die Reitstunde gibst, mit dem es ganz offensichtlich überfordert ist. Ein Beispiel für Schäden am Pferd ist, wenn du ein Pony im Unterricht direkt galoppieren lässt, ohne die Aufwärmphase zu beachten. 

 

Du trägst durch das entstandene Dienstverhältnis die Verantwortung für die unfallfreie Ausführung der Aufgaben; passiert etwas, wird nach dir geschrien. Wenn du deine unerfahrenen Schüler Aufgaben ausführen lässt, die offensichtlich ihren Leistungsstand übersteigen, bist du definitiv für die Folgen verantwortlich!

 !   Die gesamte Verantwortlichkeit & Haftung deiner Person gilt übrigens auch für kostenlose Reitstunden, die du erteilst. 

 

Unvorhergesehenes Pferdeverhalten und Mitschuld

 

Es gibt ein paar Ausnahmen, die dir ein ganz klein wenig Verantwortung von den Schultern nehmen.

 Endet ein Unfall im Reitunterricht weniger sanft und es kommt zu Schäden, hast du zunächst einmal die Verkehrssicherungspflicht nicht erfüllt. Dann wird geprüft, inwiefern du haftbar gemacht werden kannst, sprich, ob du zum Schadensersatz verpflichtet bist. 

Rechtsanwalt Lars Jessen schreibt im Artikel "Reitlehrerhaftung: der Trainer hat doch gesagt…" sinnngemäß: Nur, weil dein Schüler stützt, heißt es nicht automatisch, dass du die komplette Schuld trägst. Beim Reiten, egal ob im Unterricht oder beim freien Reiten, schwingt immer auch das ganz normale reiterliche Risiko mit, bei dem sich das Pferd aufgrund seines Fluchtverhaltens erschrecken und Durchgehen kann. Hierfür hat sich der Reiter selbst zu versichern.

 

Es kann dem Schüler bei Reitunfällen eine gewisse Mitschuld gegeben werden. Wenn er eine Aufgabe für sich persönlich zu schwierig einstuft, dich als Reitlehrer darüber nicht informiert und sie dennoch ausführt, bist nicht du allein Schuld am Ganzen. Du musst dann nicht die gesamte Verantwortung und die kompletten Kosten für die Genesung deines Schülers tragen, sondern teilst dir den Betrag mit der Versicherung des Reitschülers. Wie genau das dann aufgeteilt wird, entscheidet der Einzelfall.  Bei Kindern und Jugendlichen musst du aber dreimal mehr vorsichtig sein! Sie können sich selbst und ihr reiterliches Vermögen oftmals nur schwer einschätzen. Eine Mitschuld am Unfall ist hier nur sehr schwer nachzuweisen.  

 

Abgesehen von unvorhergesehenem Pferdeverhalten und einer potentiellen Mitschuld des Reitschülers am Unfall hast du dennoch die Verkehrssicherungspflicht. Auch, wenn Pony Paul durchgegangen ist und der Reiter die ganze Zeit ein ungutes Gefühl hatte, befanden sich beide dennoch in deinem Reitunterricht. Du wirst immer einen Teil Verantwortung tragen müssen. Sei dir diese Verantwortung bewusst! - das ist ein elementarer Schritt auf dem Weg zu einer besseren Pferdewelt mit besseren Reitern durch besseren Unterricht. Mach's mit deiner Arbeit besser!

 

Ich hoffe ich konnte dir die Grundlagen der Verkehrssicherungspflicht und Verantwortungsübernahme im Reitunterricht nahebringen! Wenn du Fragen, Tipps, Anregungen oder Hinweise hast, dann immer raus damit. "Mach's besser!" gilt nicht nur für den Reitunterricht, sondern auch für das Drumherum. Dazu zählen auch Infomaterialien wie meine Blogbeiträge.

 

 

 


Im nächsten Teil dieser Serie geht es um das Thema Unterrichten mit und ohne Trainerschein und um Sachkundenachweise sowie Auswirkungen auf Haftung und Versicherung im Reitunterricht!

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